BS Zornbinkerl

 

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Es gibt noch echte Glückspilze auf dieser Erde. Zu ihnen gehört mit Sicherheit der Österreicher Fred Zenzinger, der seine lang erträumte Springer Softail im März 1996  als wirklichen Supterdeal ersteht - mit satten, wohnzimmergepflegten 2.700 Kilometern auf der Uhr und noch dazu zum Vorzugspreis. Es gibt nur ein Manko: "Der Bock, der da vor mir stand, war natürlich weit von meinen persönlichen Vorstellungen einer Harley entfernt."


Schon am ersten Tag eliminiert Fred "den grausamen Buckhonlenker" vom Bike. In einem Zug trennt sich das Frontend der FXSTS gleich noch von Zusatzscheinwerfern und Griffarmaturen. Der passende Ape Hanger mit 41 Zentimetern Höhe liegt bereits montagebereit, ebenso die verchromten Ness-Armaturen. Nach neun (!) Stunden bohren und löten und vor allem fluchen lösen sich zwei Probleme gleichzeitig: Erstens rollt das Bike vorerst wieder, zweitens befürchtet Fred nie merh wieder Achselschweiß! Free Willy vom Vienna Chapter verpaßt dem Selfmade Schrauber beim Anblick des alles überragenden Lenkers spontan den Namen Ape-Fred.
Der Name wird fortan Programm.
"So ein Ape Hanger charakterisiert schon ein Bike", meint Fred und trifft damit den Nagel irgendwie auf den Kopf. "Auf diversen Treffen fiel mir jedoch auf, daß noch deutlich mehr dazu beiträgt, oder der Hobel ein Mauerblümchen bleibt oder ein Eyecatcher wird - die Form zum Beispiel oder auch die Lackierung. Nach monatelangem Kopfzerbrechen, zahlreichen Bikeshows und einer fürchterlich nassen, jedoch absolut geilen Testfahrt auf Fred Kodlins eigentlich total untypischen Oldstyle-Starrahmenchopper "Boneshaker" in Kitzbühel stand für mich die Form meines Zornbinkerls - das bedeutet bei uns umgangssprachlich so was wie jähzorniges Ding - fest." Die Harley soll stilistisch in die 70er Jahre passen. Das teilt Fred im Oktober 1997 Andi, Nick und Sam vom Bikestore mit.


Als gestandene Customizer sehen die in der Hinterradverbreiterung, dem Getriebeversatz um ein viertel Zoll und der Einrichtung des Scull- Head- Tachocovers keinerlei Probleme. Motor und Getriebe bleiben, da es Vielfahrer Ape-Fred  angesichts der verdammt aufrechten Sitzhaltung nicht auf High- End- Power, sondern vielmehr auf Zuverlässigkeit des Aggregats ankommt, nahezu unverändert. Da eine Menge Harleyaner ihren V-Twin mit einem 160er Hinterreifen auf einer 4,25 Zoll breiten Felge durch die Gegend treiben, muß nun noch etwas nicht Alltägliches her! Also kommen Fred und Reinhard "Beinhart" Windisch aus Saalbach auf die Idee, eigene Fenderstruts in Flammenform herzustellen. Der Entwurf dauert lediglich eine Stunde - die Umsetzung dagegen bereitet Probleme. Reinhards Bruder gehört glücklicherweise eine Maschinenschlosserei, er läßt die Struts aus massivem 15- Millimeter- Aluminium fräsen. Sam vom Bikestore bringt sie anschließend in Form. "Allerdings fehlte zu diesem Zeitpunkt noch der Fender. Da ich mich nicht zwischen einem Fat Bob und einen Taildrager entscheiden konnte, richtete ich kurzerhand zwei Heckschutzbleche für den Gebrauch am Zornbinkerl her", erklärt Ape-Fred die kleinen Torturen des Projektes. "In den Taildragger baute ich ein 33er Ford Rücklicht ein - so wie bei den Corbin Warbirds. Auf die zusammengeschnittene Version des Fat Bob Fenders kamen zwei rote Marker Lights. "So unterscheidet sich das Heck des Ape-V-Twins heute nicht nur von dem seiner Artgenossen, es (ver)trägt notfalls sogar ein Soziuspad für ein hübsches Mäuserl.



Ein neues, überraschendes Problem tauchte auf als Fred das Kennzeichen anbringen wollte: Kurzerhand beschloß er - naja, ehrlicher Weise kam die Idee vom Bikestore, es auf die linke Seite zu verlegen. Das Zornbinkerl befindet sich in seinem Rohzustand. Die Farbe fürs Bike steht lange fest - Gelb. Das Design für den Harley-Schriftzug, das Totenkopf Airbrush auf dem Tank und die Flammen - "Zornbinkerl eben" - lag schon lange in der Schublade. Peter Bardeck aus Salzburg übernimmt es, alles aufs Blech zu spritzen und zu malen. Unterdessen kümmert sich mit Adreas Fösleitner aus Strobl ein weiterer Spezi von Fred um die Lederarbeiten wie Sitz und Tankabdeckung.
Im April kann Fred endlich mit seinem komplett umgebauten V-Twin - Zornbinkerl die erste Ausfahrt starten. Inzwischen kennen Gott und die Welt rund um die Alpen Ape Fred, den sympathischen Harley-Freak, den nichts von seine Meinung abbringt:
Aper forever !